Ein User auf Facebook wollte wissen,  in welchem Mischungsverhältnis Barkeeper ihren Zuckersirup herstellen. Oder, wie wir sagen, den Simple Sirup. Und der ist genauso einfach herzustellen, wie sein Name vermuten lässt: 1 Teil Wasser und 1 Teil Zucker auf kleiner Flamme simmern lassen, ständig rühren, dann den entstehenden Schaum abschöpfen oder durch ein Tuch abgießen. Fertig. Ich selbst nehme hierfür fast immer Puderzucker, denn er ist sehr fein, hat eine große Oberfläche und relativ geringe Süße.
Rich Sirup hingegen wird  in einem Verhältnis 1:2 hergestellt, 1 Teil Wasser zu 2 Teilen Zucker. Sirup-Hersteller produzieren ihre Produkte sogar in einem Verhältnis von bis zu 1:9 ( z. B. Giffard ).
Interessant: Viele Barkundige sahen es als Ausdruck besonderer Professionalität an, wenn man seinen Zuckersirup selbst herstellt. Die Möglichkeit, ein Markenprodukt zu kaufen, das eigentlich qualitätiv offensichtlich überlegen ist, wurde gar nicht erst in Betracht gezogen.
Warum legt man nun so großen Wert auf einen Zuckersirup im Mischungsverhältnis 1:2? Weil dann das Getränk nicht so stark verwässert. Folglich wäre ein Drink noch weniger verwässert, wenn man einen Zuckersirup mit Verhälting 1:9 verwendet.
Auch bin ich der Meinung, jeder sollte bei seinen Kernkompetenzen bleiben. Dazu kommen die Vorgaben in Sachen Hygiene sowie Zeit und Aufwand bei der Herstellung eines Sirups. All dies trägt dazu bei, dass ich meine Ausflüge in die Küche und das Sirupkochen auf besondere Gelegenheiten beschränke:  auf die Augenblicke, in denen ich etwas herstellen möchte, was es nicht im Angebot gibt.
Doch zurück zu der großen, unbestimmten Furcht, einen Drink zu VERWÄSSERN. Für welche Drinks verwende ich überhaupt Zuckersirup? Sicher nicht für einen klassisch gerührten Martini, sondern für Fizzes und Sours.
Beides sind Drinkkategorien, die sich durch den erfrischenden Charakter auszeichnen. Bei den Fizzes gebe ich sogar noch Wasser dazu. Wo also besteht hier eine Gefahr? Selbst bei einem Klassiker wie einem Old Fashioned wird zu dem Zuckerwürfel noch ein Schuss Wasser dazu gegeben; und  sogar das Schmelzwasser des Eises wird als integraler Bestandteil der Rezeptur gesehen. Auch ein Mint Julep wird erst zum Leben erweckt durch Schmelzwasser. Bei Punches gibt es viele Rezepte, die ausdrücklich Wasser als Bestandteil der Rezeptur verlangen.
Meine Lieblingsthese – ein Drink ist immer mehr als die Summe seiner Zutaten – setzt voraus, dass wir Wasser als einen Teil der Balance und Harmonie eines Getränks werten, wir es sogar brauchen, um eben genau diese Ausgewogenheit zu erreichen. Was könnte das “ Verwässern“ noch bewirken? Zum Beispiel den Alkoholgehalt reduzieren und damit die Chance, den Drink zu genießen, erhöhen.  Auch nicht wirklich schlimm.
Schlagworte →