Bei der Bloody Mary gibt es mehr Rezepte und Neuerungen als bei jedem anderen Drink. Eigentlich  besteht sie aus nur zwei Zutaten:  Spirituosen und Tomatensaft. Dieses Grundgerüst ist unveränderlich, treibt aber gerne „Blüten“ und wird immer wieder durch  individuelle Zutaten ergänzt.  Doch dazu später …

 

Wie heiß begehrt dieser Corps Reviver allerdings heute noch ist,  zeigt die Ausgabe 4 von „Mixology“. Im Leitartikel lässt Camper English, Cocktail Writer oft he Year 2011, die Historie der Bloody Mary für uns lebendig werden.  In der Einleitung  zitiert er meine Beschreibung:  „Eine Bloody Mary ist ein Art Esperanto im Cocktail-Kosmos. Sie vereinigt alles in sich …“ Eben alle Geschmacksrichtungen  – und die  Schärfe noch dazu.

 

Zurück zu den Zutaten. In meiner Rezeptur wird noch grobes Meersalz hinzugefügt. Doch bevor Sie zum Salzfass greifen, heißt es probieren! Denn Tomatensaft wird zur Geschmacksharmonisierung oft Salz zugefügt, und die Salzmenge ist eben von Saft zu Saft verschieden.

 

Die bittere Note steuert dann die Worcestershire Sauce bei, am besten die von Lea & Perrins. Diese Sauce enthält auch Säure, die durch die Zugabe von Limetten- oder Zitronensaft weiter intensiviert wird. Süße erziele ich durch Dashes von Grenadine, wichtig für die Balance und um den Eigengeschmack der Tomaten zu unterstreichen. Natürlich auch für die Ästhetik: Das Rot des Drinks wirkt knackiger und frischer, da die Oxidation verhindert wird.  Oxidierter Tomatensaft ist eben dunkler und sieht schlammig aus.  Für die Umami-Note  ist die Tomate zuständig. Eine Pfeffermischung und Chili bringen die richtige, „schmerzende“ Schärfe. Last but not least, der Alkohol, um eine subjektive Balance und perfekte Harmonie herzustellen.

 

Das Faszinierende: Kein Drink eignet sich besser für kleine, persönliche Zutaten. Ich füge oft noch etwas Kirschsaft hinzu, nicht nur, um den Cherry-Tomaten-Geschmack zu verstärken, sondern auch wegen der schönen Farbgebung und leichteren Konsistenz.

 

Mehr Einigkeit herrscht bei der Zubereitung. So wird  der Tomatensaft nicht geschüttelt, sonst sieht er schnell vergoren aus. Eine mögliche Alternative: das Verrühren der Zutaten im Gästeglas auf Eis.

Andere schwören darauf, die Zutaten mit Eis zwischen zwei Shakern hin und her zu gießen.

Meine Methode: Ich schüttle alle Zutaten ohne Tomatensaft auf Eis, seihe diese durch ein Sieb in den Tomatensaft, verrühre die Mischung mit etwas crushed Ice, gebe noch etwas groben Pfeffer dazu und noch mehr crushed Ice.

Sellerie als Deko verabscheue ich, ich mag den Geschmack nicht. Und die Dekoration des in sich so harmonischen Gesamtkunstwerks ist wie immer eine Sache der persönlichen  Vorlieben.

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