In einem Artikel des Denver Westward Blogs beschreibt Barkeeper-Legende Sean Kenyon eine Szene, in der ein „Mixologe“ den harmlosen Small-Talk-Versuch eines Gastes brutal torpediert. Der Bar-Besucher steigt mit dem Thema Eishockey ein. Und der Barman erwidert, er schaue keinen Sport. Sean Kenyon ist Zeuge dieser Szene und darüber so erbost, dass er den Barman darauf hin nur noch als Drink Delivery Unit (≈ Getränkeauslieferungs-Einheit), kurz DDU, bezeichnet. In Kenyons Augen muss ein Mixologe auch ein guter Gastgeber sein. Ein Bereich, in dem der beschriebene Barman jämmerlich versagt hat. Einem anderen Gast hatte er seinerseits ausführlich einen Vortrag über die Vorzüge eines bestimmten Bieres gehalten. Dafür hat er sich die Zeit genommen,
nicht aber für ein wenig höfliches Geplänkel.

Ich persönlich bin auch nicht der größte Fan von Sportereignissen. Wenn es meine Zeit irgendwie erlaubt, werde ich trotzdem auf den Gesprächsanbahnungs-Versuch eines Gastes eingehen. Zum Beispiel, indem ich
lächelnd erwidere, dass ich den Ball lieber selbst kicke. Schon habe ich den Bogen geschlagen zu Leidenschaften, über die ich mit dem Gast reden kann.

Dienstleister statt Snob

Gerade junge Barleute nehmen sich selbst oft zu wichtig. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. In meinen Anfangstagen hinter der Bar habe ich z. B. den Dienstleistungsgedanken gar nicht richtig verstanden. Doch nach und nach habe ich dazugelernt, immer und überall. In der ersten Bar, in der ich das Cocktailmixen lernte, gab es z. B. meinen Kollegen Joe, der in nichts richtig gut war – außer im Feiern. So dachte ich zumindest, denn er blieb mir die Antwort auf viele meiner Fragen schuldig. Doch einmal beeindruckte er mich richtig. Ein Gast verschüttete seinen Drink. Während ich noch ein wenig überheblich die Augen verdrehte, eilte Joe schon mit einem Tuch zum Tisch, sagte: „Hey, ist etwas passiert?“, und brachte sofort einen neuen Drink.

Excellence wörtlich genommen

Dieser Lernprozess nimmt eigentlich kein Ende. Gerade in letzter Zeit habe ich wieder viel über Service erfahren – als Leiter der Bar im Club der Autostadt. Diese Autostadt versteht sich als Center of Excellence innerhalb
des Volkswagen-Konzerns, in dem der Service-Gedanke gelebt. Mir gefällt besonders, dass „Excellence“ von „to excel“ (= übertreffen) abgeleitet ist. Sprich: Es geht darum, besser zu sein als erwartet.

Und so umfasst guter Service mehr als nur  die Herstellung von Getränken. Dazu gehören viele weitere Mosaiksteinchen wie z. B. die Musik, das Ambiente, der Stil. Ein Barman hat die Aufgabe diese Mosaiksteinchen zu einem harmonischen Bild zu arrangieren. Neue Besucher muss er abholen, wenn erforderlich auch durch Small Talk über Sport. Er wird dennoch immer einen Weg finden, die Drinks in den Fokus zu rücken. Und er sollte sich auf keinen Fall durch arrogantes Verhalten zu einer DDU reduzieren.

 

 

 

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