Ein Trend, der eigentlich auch schon ein alter Hut ist: 1895 hat Brahms in seiner persönlichen Buchhaltung neben Cognac, Wein und Champagner einen Klosterlikör namentlich erwähnt. Dieser so genannte „Chartreuse“ erfährt in Barkeeper-Kreisen seit einem Jahr einen zweiten Frühling. Oder wenn man Brahms Notizen glauben kann, eher  den 100sten Frühling. So sieht es auch die Ultimate Beverage Challenge, ein US-amerikanisches Unternehmen, das auf hochkarätige Tasting-Wettbewerbe spezialisiert ist: In ihrer Ultimate Spirits Challenge 2012 erzielte grüner Chartreuse gerade die höchste Punktzahl in der Kategorie der Liköre und ging damit als eindeutiger Sieger hervor.

 

Und was steckt drin, im Chartreuse? 130 Kräuter und Gewürze, die in ausgewähltem Alkohol mazerieren und in einem der größten Fasslager der Welt reifen. Das Rezept? So geheim, dass es immer nur zwei Kartäusermönche zur gleichen Zeit kennen. Diesen sehr alten Likör gibt es z. B. als goldgelben Chartreuse Jaune mit 45 % vol. und weniger Kräuteringredienzien als sein grüner Verwandter; als Chartreuse Verte mit 55% vol., dessen Grün so charakteristisch ist, dass sogar ein Farbton nach ihm benannt wurde. Oder als intensives Elixier mit stattlichen 69% vol. und mit Vorsicht zu genießen. In der Barszene erlebt Chartreuse ein erstaunliches Revival, ob als Shot oder zum Mixen alter Cocktails, z. B. des Alaskas aus Chartreuse Jaune, Gin und Orange Bitter. Oder des Bijou, der Chartreuse Verte, Gin, Maraschino und Limettensaft kombiniert.